Tag der finnischen Sprache – meine liebsten finnischen Wörter

Tag der finnischen Sprache - Mikael-Agricola-Tag

Jedes Jahr am 9. April feiern die Finnen den Tag der finnischen Sprache. Außerdem ist es der Mikael-Agricola-Tag – benannt nach dem Mann, der als Urvater der finnischen Schriftsprache gilt. Der Theologe und Reformator übersetzte einst das Neue Testament ins Finnische mit der Absicht, dass auch die einfachen Leute Zugang zu diesem fundamental wichtigen Werk des Christentums haben sollten. Da es bis dahin eine einheitliche finnische Schriftsprache schlichtweg nicht gab, leistete Agricola hier echte Pionierarbeit.

Der 9. April ist Mikael-Agricola-Tag und Tag der finnischen Sprache

Mikael Agricola wurde um 1509 in Pernaja geboren und starb 1557 in Uusikirkko. Von seiner Bedeutung bis in die heutige Zeit zeugen nicht nur eine Büste in seinem Geburtsort, eine Statue im Dom von Helsinki oder eine finnische Briefmarke aus dem Jahr 1982. Sein Erbe ist vielmehr die einheitliche finnische Sprache als solches, die ihren Teil dazu beitrug, dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Finnen entstand. Am Todestag von Agricola wird seit 1978 auch der Tag der finnischen Sprache gefeiert und im ganzen Lande beflaggt. Um der finnischen Sprache zu huldigen, möchte ich Dir ein paar meiner liebsten finnischen Wörter vorstellen.

Tief verschneite Winterlandschaft

lumi – das bedeutet „Schnee“ auf Finnisch

Der wunderbare Klang der finnischen Sprache

Ich muss gestehen, ich liebe generell den Klang der finnischen Sprache. Immer wieder hört man ja, sie klinge hart, abgehackt und wenig angenehm, etwa im Vergleich zum geschmeidigen Französisch oder dem melodischen Singsang der Schweden. Nun, da kann ich nicht ganz mitgehen. Ich bin sogar der Ansicht, dass das Finnische ein ganz besonderes Verwöhnprogramm für die Gehörgänge ist. Immer, wenn ich irgendwo jemanden Finnisch sprechen höre, schlägt mein Herz vor Freude höher.

Aber ich wollte Dir ja zum Tag der finnischen Sprache ein paar persönliche Favoriten vorstellen. Nun, da wäre zum Beispiel der Hauptbegriff für Schnee (es gibt noch etliche mehr): lumi – so sanft und lieblich wie eine friedlich vor einem liegende Winterlandschaft. Ähnlich wohlklingend in meinen Ohren ist das Wort taika, das für Zauber steht. Wirklich bezaubernd! Ebenso mag ich kaamos, was die dunkle Zeit der Polarnacht bezeichnet. Klingt das Wort düster und bedrohlich? Ich finde, überhaupt nicht.

Wenn es um meine finnischen Lieblingswörter geht, darf eines nicht fehlen: mökki. Das Sommerhaus am See ist unzähligen Finnen ihr Ein und Alles und viel mehr als nur ein gewöhnliches Ferienhaus. Es ist ein Rückzugsort, an dem Körper und Seele ihre dringend benötigte Ruhepause bekommen. Und was darf am Mökki nicht fehlen? Na klar, eine authentische finnische sauna – Übersetzung nicht notwendig. Es ist davon auszugehen, dass auch am Tag der finnischen Sprache eifrig sauniert wird.

Mökki in Finnland

Das Mökki – selbstverständlich mit Sauna – ist ein unverzichtbarer Teil der finnischen Kultur

Warum umständlich, wenn es auch so einfach geht?

Immer wieder kursieren Bildchen im Internet mit irgendwelchen Wortungetümen, die angeblich das „längste finnische Wort“ sein sollen. Das mag mal ganz lustig sein und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es manch einen sperrigen Begriff im Finnischen gibt. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn in vielerlei Hinsicht sind die Finnen nicht nur in ihrem Handeln, sondern auch bei ihrer Sprache extrem pragmatisch. Warum umständlich, wenn es auch einfach geht?

In diesem Zusammenhang möchte ich den Begriff sisu nennen, der die sagenumwobene Urkraft der Finnen beschreibt und den ich in meinem Beitrag darüber näher erläutert habe. In die gleiche Kategorie würde ich auch kalsarikännit einordnen, das mittlerweile geradezu legendäre „sich alleine zu Hause in Unterhose betrinken“, das wir mit unserem „Tasting & Talk“-Konzept weiterentwickelt haben. Eine direkte deutsche Übersetzung gibt es auch für löyly nicht, den Wasserdampf, der entsteht, wenn in der Sauna mit der Kelle Wasser auf die heißen Steine gekippt wird. In Helsinki wurde sogar eine moderne Designsauna danach benannt.

René von FinnTouch am Santa Claus Office in Rovaniemi

„Mitäs mies?“ – so einfach kann Kommunikation sein!

Nützliche Variationen für die alltägliche Kommunikation

Auch in der alltäglichen Kommunikation haben die Finnen ein System entwickelt, bei dem der Fokus auf dem Wesentlichen liegt. In der Äußerung mitäs mies? zum Beispiel steckt so viel mehr als nur „Was, Mann?“, wie wir es wörtlich übersetzen würden. Es steht eher für „Hallo mein Lieber, na wie geht es Dir? Ist alles gut?“. Häufiger wirst Du in Finnland auch dem Wörtchen oho begegnen – ein Ausdruck von Verwunderung oder auch einfach nur ein Feststellen einer Tatsache oder Begebenheit.

Auf keinen Fall vergessen möchte ich niin niin und no niin, die je nach Lust und Laune in fast jeder Situation dazu geeignet sind, um ein Gespräch am Laufen zu halten. Du signalisierst damit Deinem Gegenüber Deine Zustimmung. Es kann jedoch auch ein nachdenklicher Ausspruch sein, wohingegen ein energisches „no niin“ für Aufbruchstimmung steht. „Auf geht’s!“ Ich mag auch das finnische Wort für „danke“: kiitos. Wenn die Finnen sich begrüßen, sagen sie übrigens gerne hei oder moi. Bei der Verabschiedung wird dann einfach das Ganze verdoppelt: hei hei beziehungsweise moi moi. Einfach, aber genial! Erzählt jemand totalen Blödsinn, kommt ein höpö höpö wesentlich charmanter als einige andere Möglichkeiten, wie man darauf reagieren könnte.

Fenglish? Ei kiitos!

Wo in Deutschland heutzutage fast jedes neue Wort einfach aus dem Englischen übernommen wird, was zweifellos im Hinblick auf die zunehmende Internationalisierung durchaus einen praktischen Nutzen hat, machen sich die Finnen nach wie vor die Mühe, so gut wie alles in ihre Sprache zu übersetzen. So heißt die E-Mail tatsächlich sähköposti, wörtlich übersetzt „Strompost“. Der Computer wird tietokone genannt – „Wissensmaschine“ – und das Smartphone ganz gewissenhaft direkt übersetzt älypuhelin (wobei es im Alltag meist als kännykkä bezeichnet wird). Ich finde, das hat seinen ganz eigenen Charme, auch wenn es das Erlernen der Sprache freilich nicht einfacher gestaltet.

Möchtest Du uns zum Tag der finnischen Sprache auch Dein finnisches Lieblingswort oder Deine liebsten Ausdrücke verraten? Benutze dazu das Kommentarfeld weiter unten!

You May Also Like

20 Comments

  1. 1

    Mir gefällt „Kippis“ besonders gut, da es im Deutschen nach Kipp es (runter) klingt und übersetzt „Prost“ heißt. Das Wort habe ich während meines Auslandssemesters in Finnland unzählige Male verwendet 😃

    • 2

      Hi Marc,

      haha ja, diese Assoziation drängt sich bei dem Begriff tatsächlich auf und das habe ich schon häufiger gehört. So lässt sich das Wort auf jeden Fall auch gut merken! 🙂

      LG,
      René

    • 3

      Das Wort „kippis“ kommt aus deutsches Wort „reinkippen“. Finnische Kavalleristen in der 30-Jährigen Krieg haben dieses Wort umgewandelt und mit nach Hause gebracht. Es ging natürlich um Bier rein zu kippen.

  2. 5
    • 6

      Hi Sophie,

      ja genau, „kone“ gibt es häufiger mal. „Lämpimämpi“ („wärmer“) hat in der Tat auch einen sehr schönen Klang! 🙂

      LG,
      René

  3. 7

    Hallo René,
    Ich mag gern onomotopoetische Wörter wie vinksinvonksin und hölkynkölkyn.Und es gibt nicht knuddeligeres als mummi.
    LG
    Jaana

  4. 10
  5. 12
  6. 14

    Neben jäätelötötterö mag ich vor allem hevosenkenkä. Dieses Wort hat mir die Schwester meiner finnischen Freundin bei meinem ersten Finnlandbesuch beigebracht. Ich habe das Wort niemals gebraucht, aber ich kann es immer noch 😊

    • 15

      Liebe Gundi,

      das ist ja auch lustig. Aber so ist es. Manches schnappt man einmal auf und vergisst es nie wieder. 🙂

      LG,
      René

  7. 16
  8. 18
  9. 20

    Gerne mag ich „lyijykynä“ (Bleistift) und „hyväntekeväisyystarkoituksiin“ (zu wohltätigen Zwecken.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>