Buchtipp: Tove Jansson – Das Winterbuch

Buchtipp Tove Jansson - Das Winterbuch

Passend zur kalten Jahreszeit habe ich gerade ein Buch zu Ende gelesen, das ich Dir gerne näher vorstellen möchte. Das Winterbuch von Tove Jansson ist eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und Erzählungen der beliebten finnlandschwedischen Autorin, die Dich in eine Zeit voller Schnee, Eis und Kälte führen. Doch Moment mal, Tove Jansson? Ist das nicht die Schöpferin der niedlichen Mumins? Ganz genau, das ist sie. Doch was viele gar nicht wissen: Neben den fantasievollen Kinderbüchern hat Jansson auch einige Geschichten für Erwachsene geschrieben.

Das Winterbuch als Zusammenstellung beliebter Erzählungen

Wenn Du Dir das Winterbuch bestellst, solltest Du Dir dessen bewusst sein, dass es sich hierbei nicht um eine stringente Story handelt, sondern gewissermaßen um eine Art Sammelband verschiedenster Kurzgeschichten und Episoden. Einige Kapitel sind auch lediglich Ausschnitte aus längeren Erzählungen. Als roter Faden des Buches gilt also letztendlich nur der allgegenwärtige Bezug zum Winter. Auch wenn ich zunächst einmal etwas schwer rein kam, muss ich doch sagen: Es lohnt sich, das Winterbuch auf den persönlichen Lesestapel zu legen…

Bild aus dem Familienarchiv von den Janssons

Einblick ins Buch: Diverse Fotografien aus dem Familienarchiv der Janssons gewähren Dir einen Einblick in die Kindheit der Autorin

Eine gewisse Melancholie ist allgegenwärtig

Deine Hände von Tove Janssons Winterbuch lassen solltest Du lediglich, wenn Du ausschließlich fröhliche und unbeschwerte Geschichten magst. Denn in diesem Werk sind eine gewisse Melancholie und Düsterheit nahezu allgegenwärtig. Die Autorin stellt den Winter im Norden als graue und eher unwirtliche Zeit dar, welche die Menschen nicht selten an ihre emotionalen Grenzen bringt. Der Schnee erscheint häufig als etwas Diffuses, wenn nicht gar Bedrohliches. Wer also auf vergnügliche Berichte aus einem sonnigen Winterwonderland hofft, der wird hier bitterlich enttäuscht werden. Doch wie gesagt: Lassen wir uns dennoch darauf ein!

Ein Einblick in die Kindheit von Tove Jansson

Im ersten Teil des Buches erhältst Du im Rahmen verschiedener Erzählungen einen Einblick in die Kindheit der Autorin. „Das Dunkel“ beispielsweise entführt Dich ins finstere winterliche Helsinki, konkret genannt werden Orte wie die „russische Kirche“ oder der Stadtteil Katajanokka in seiner schwedischen Bezeichnung „Skatudden“. In „Weihnachten“ berichtet Jansson aus ihrer kindlichen Perspektive vom Weihnachtsfest mit ihren Eltern, die damals ein Atelier betrieben. „Der Schnee“ handelt von einem Ausflug aufs Land, wo das Ferienhaus der Janssons plötzlich komplett zugeschneit ist. Wie die Autorin dann die schwankenden Gefühlswelten ihres eigenen kleinen Ichs in Worte zu fassen vermag, ist geradezu brillant.

Geschichten, die zum Nachdenken anregen

Ein wichtiges Thema von Janssons Erzählungen sind immer wieder zwischenmenschliche Beziehungen – mit all den Schwierigkeiten, die in diesem Kontext entstehen können. Meine Lieblingsgeschichte des gesamten Buches ist „Reise mit leichtem Gepäck“. Sie handelt von einer Person, die alles hinter sich lässt und lediglich mit einer leichten Reisetasche ein Schiff betritt, um an einem fernen Ort ein komplett neues, selbstbestimmtes Leben zu beginnen jenseits aller Zwänge.

Diverse Ereignisse an Bord des Schiffes sorgen jedoch schnell für eine gewaltige Ernüchterung und die Erkenntnis, dass es so schnell kein Entrinnen gibt aus den Fängen unserer Mitmenschen und damit verbundenen unangenehmen Situationen. Messerscharf beschreibt Jansson, wie scheinbar harmlose Unterhaltungen zu inneren Konflikten führen und zeigt auf, wie sehr Menschen aneinander vorbeireden können, ohne dies zu merken. Zwischenmenschliche Konflikte sind überhaupt ein immer wiederkehrendes Thema in Das Winterbuch.

Winter in Helsinki

Der Winter in Helsinki kann manchmal doch ganz schön grau und trist sein…

Nach dem Winter kommt der Frühling

So melancholisch und nachdenklich der Großteil der Erzählungen auch ist, das Winterbuch von Tove Jansson gibt am Ende doch noch einen Ausblick in eine hellere, wärmere Zeit. „Im Frühling“ heißt die letzte Geschichte des Buches, in der im wahrsten Sinne des Wortes der Schnee zu schmelzen beginnt. Mit einem Vor- und Nachwort von Maria Antas ausgestattet, stellt das Winterbuch unter dem Strich betrachtet eine erstaunlich harmonische Zusammenstellung unterschiedlicher Geschichten von Tove Jansson dar. Mich persönlich beeindruckt die überaus detailreiche, lebendige Schilderung der Autorin, egal ob es nun um Eigenschaften und Empfindungen der Charaktere geht oder deren Umwelt.

Ohne es direkt auszusprechen, schwingt stets eine gewisse Gesellschaftskritik mit: Ist es richtig, sich immer und überall an die Normen der Gesellschaft und an die Erwartungen der anderen anzupassen? Wenn Du einige der Mumingeschichten von Jansson gelesen hast, wirst Du bereits erahnen, wie die Autorin zu diesem Punkt stehen wird…

Das Winterbuch von Tove Jansson kannst Du unter diesem Link bestellen*. Wir danken dem Verlag Bastei Lübbe für die Zusendung eines Rezensionsexemplares.

Tove Jansson
Das Winterbuch
222 Seiten
ISBN: 978-3-431-04078-4
Bastei Lübbe AG, Köln

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