Kalevala – das finnische Nationalepos

Hier könnte das Kalevala sich zutragen

Als Finnlandfan wirst Du früher oder später über das Kalevala stolpern – vielleicht hast Du es als eifrige Leseratte ja sogar schon verschlungen? Tatsächlich hat dieses Epos von Elias Lönnrot eine in vielerlei Hinsicht riesige Bedeutung für das verhältnismäßig junge Finnland. Nicht umsonst gilt das Werk als finnisches Nationalepos und Spuren der Heldengeschichte finden sich auch abseits der Bücherregale bis heute im Alltag der Finnen. Begleitest Du mich in die Welt der finnischen Mythologie? Ich verspreche Dir, es wird alles andere als trocken und langweilig.

Die wichtigsten Fakten zum Kalevala

Die erste Fassung des Kalevala wurde im Jahr 1835 veröffentlicht. Der Titel bedeutet soviel wie „Land des Kalevas“, welcher der Urgroßvater der im Epos besungenen Heldenfigur ist. Insgesamt zählt das Werk 22.795 Verse, welche wiederum in 50 Gesänge unterteilt wurden. Du kannst das Kalevala als eine Art Zusammenstellung verschiedener Sagen und Mythen sehen. Zentrales Element ist dabei der Kampf zwischen den Völkern von Kalevala und Pohjola um den sogenannten Sampo – ein sagenumwobener Gegenstand, der Wohlstand verspricht. Das Kalevala kannst Du heutzutage nicht nur als gedrucktes Buch, sondern auch als Hörbuch bekommen.

Elias Lönnrot – der Mann hinter dem Kalevala

Elias Lönnrot zählt zu den bekanntesten finnischen Persönlichkeiten aller Zeiten. Nicht von ungefähr gibt es in Helsinki und verschiedenen weiteren Städten des Landes eine nach ihm benannte Straße, die Lönnrotinkatu. Der im kleinen Ort Sammatti geborene Lönnrot war nicht nur Arzt und Philologe, sondern er betätigte sich auch als Schriftsteller. Die Inspiration hierzu boten ihm seine ausgedehnten Reisen in den Osten Finnlands, nach Karelien.

Er schuf mit „Kanteletar“ eine Zusammenstellung traditioneller karelischer Lieder. Als Ergebnis seiner zusammengetragenen Überlieferungen der finnischen Volksdichtung entstand schließlich das Kalevala. Es sollte nicht nur die Basis einer eigenständigen, finnischen Literatur sein, sondern auch von gewaltiger Bedeutung für das Entstehen der nationalen Identität Finnlands.

Beflaggungstag in Joutsa

Am Tag der finnischen Kultur wird in ganz Finnland beflaggt – so wie hier in Joutsa

Das Kalevala als Kunstprodukt

Das Kalevala ist nicht unbedingt leichte Kost. Das liegt zum einen daran, dass das Epos eben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Zum anderen ist das Kalevala-Versmaß zumindest für uns Mitteleuropäer eher ungewohnt. Details zu Sprache und Stil des Werkes kannst Du in aller Ausführlichkeit bei Wikipedia nachlesen. Es kommt jedoch auch noch hinzu, dass das Kalevala nicht als zusammenhängendes Werk im Kopf Elias Lönnrots entstand.

Vielmehr war es das Anliegen des Autors, aus den von ihm gesammelten Überlieferungen und Versen ein „großes Ganzes“ zu erschaffen. Lönnrot war davon überzeugt, dass all die Fragmente einst Teil eines Epos gewesen sein mussten, an dessen Rekonstruktion er nun arbeiten wollte. Es musste also ein Rahmen her, um die gesamten Aufzeichnungen miteinander zu verknüpfen.

Das Kalevala als Kunstprodukt also? Gewissermaßen schon, wobei Lönnrot immerhin 33 Prozent der Verse des Werkes wörtlich übernahm. Die Hälfte bearbeitete er lediglich ein bisschen und bei 14 Prozent orientierte er sich an bereits vorhandenen Versen. Lediglich drei Prozent der Kalevala Verse entspringen einzig und alleine der Fantasie des Schriftstellers.

Die wichtigsten Protagonisten des Nationalepos

Zentrale Figur des Werkes ist Väinämöinen, ein weiser Sänger und Sohn der Ilmatar, ein jungfräulicher Geist der Lüfte. Der Protagonist wird schon recht zu Beginn des Epos nach Pohjola reisen, um dort um die Tochter des Nordlands zu werben. In diesem Zusammenhang kommt Schmied Ilmarinen ins Spiel, der den Sampo schmieden soll.

Schließlich tritt auch noch Lemminkäinen in Erscheinung, der als verwegener Frauenheld gilt und bei seiner Mission, den Schwan von Tuonela zu töten, selbst umgebracht wird. Doch die Geschichte eines echten Helden ist damit natürlich noch lange nicht zu Ende geschrieben… Eine Frau aus Gold, Bären und natürlich das typisch karelische Kantelespiel, dessen Tradition heute noch beispielsweise in Ilomantsi gepflegt wird, lassen das Kalevala zu einer Heldengeschichte im finnischen Stil werden.

Kantelespiel in Ilomantsi

Die finnische Mythologie ist stets auch eng verbunden mit dem traditionellen Kantelespiel

Spuren des Kalevala im heutigen Finnland

Bis heute hat das Nationalepos jede Menge Spuren in Finnland hinterlassen. So wird jedes Jahr am 28. Februar der Tag des Kalevala gefeiert – als Tag der finnischen Kultur. Dieses Datum ist ein offizieller Beflaggungstag, das heißt Du kannst überall im Land die weiß-blaue Fahne im Wind wehen sehen. Namen wie Ilmari oder Väinö kommen immer mal wieder als Vornamen vor, zudem gibt es beispielsweise die Schmuckmarke Kalevala Koru, die ihre Bezeichnung direkt dem Epos entliehen hat.

Es gibt einen Eisbrecher namens Sampo, selbst in der deutschen Hauptstadt Berlin wurde ein Saunafloß auf diesen Namen getauft und nicht zuletzt heißt eine der bekanntesten finnischen Banken so. Du kannst ihre Filialen überall im Land entdecken. Gleiches gilt auch für den Versicherungskonzern Pohjola. Auch ein Stadtteil in Helsinkis Nachbarstadt Espoo bekam seinen Namen auf Grundlage des Werkes von Lönnrot: In Tapiola (schwedisch Hagalund) hat beispielsweise der Sportverein Honka seine Heimat. So ist das Nationalepos also geradezu allgegenwärtig – und für Finnen wie auch für Finnlandfans irgendwo ein Stück Pflichtlektüre.

Hast Du das Kalevala bereits gelesen? Fallen Dir weitere Beispiele ein, wie es im heutigen Suomi noch präsent ist? Verrate es uns über das Kommentarfeld weiter unten!

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