Floorball in Deutschland: in Finnland als Salibandy längst ein Hit

FinnTouch-René mit sportbegeisterter Familie aus Taunusstein, die Floorball in Deutschland lebt

Finnland ist aktueller Eishockey-Weltmeister und hat sich erst kürzlich erstmals für die Fußball-EM qualifiziert. Das ist wohl den meisten bekannt, selbst wenn sie sich bisher nicht so intensiv mit Suomi beschäftigt haben. Aber wusstest Du, dass Finnland auch im Floorball, das dort Salibandy genannt wird, amtierender Weltmeister ist und dass das Land eine der Geburtsstätten dieser immer beliebter werdenden Sportart ist? Vermutlich nicht. Noch immer fristet Floorball in Deutschland eher ein Schattendasein, auch wenn einige es schon als neue Trendsportart sehen und es immer mehr Aktive in den Vereinen gibt.

Ist Floorball in Deutschland auf dem Vormarsch?

Da stellt sich also die Frage: Ist Floorball in Deutschland wirklich auf dem Vormarsch? Und was ist das überhaupt für ein Sport, in dem die Finnen seit Einführung dieses Wettbewerbs bereits vier Mal den Titel erringen konnten? Vor allem in den letzten Jahren zeigte die Entwicklung immer weiter nach oben. So errang Team Suomi all seine Goldmedaillen im Rahmen der letzten sechs Weltmeisterschaften. Insgesamt ist nur noch Schweden erfolgreicher mit insgesamt acht Titeln. Ich bin dem Ruf des Sports, der früher Unihockey genannt wurde, zu einem Spaßturnier im hessischen Erlensee gefolgt, um dort hautnah dabei zu sein und mit Spielern und Verantwortlichen des SV Taunusstein-Neuhof über die Faszination Floorball zu sprechen…

Floorball – was ist das überhaupt?

Bevor ich zu meinen Eindrücken aus Erlensee komme und näher auf Floorball in Deutschland eingehe, möchte ich doch zumindest kurz erklären, worum es bei dieser Sportart überhaupt geht. Es handelt sich um ein sehr schnelles und intensives Spiel, das als eine Art Mischung aus Feld- und Eishockey gilt. Der Vorteil gegenüber dem Eishockey ist zum einen, dass es beim Floorball dann doch nicht ganz so hart zugeht. Zudem brauchst Du zum Spielen weder eine Eisfläche noch eine teure Ausrüstung. Am wichtigsten sind die Schläger aus Kunststoff und der runde Ball aus Kunststoff, der standardmäßig 26 Löcher hat und einen Durchmesser von 72 Millimetern. Diesen Ball gilt es also ins Tor der gegnerischen Mannschaft zu befördern – und das nach Möglichkeit häufiger als umgekehrt.

Floorball Spaßturnier in Erlensee

Beim Turnier in Erlensee wurde auf dem Kleinfeld gespielt

Im Ligabetrieb spielen jeweils fünf Feldspieler und ein Torwart in einer Mannschaft. Wenn wir wieder zum Floorball in Deutschland zurückschwenken, dann werden in der Floorball-Bundesliga sowohl bei den Frauen als auch den Männern die Spiele auf dem Großfeld ausgetragen. Das gilt auch für die internationalen Wettbewerbe und Weltmeisterschaften, bei denen Deutschland bislang allerdings noch nicht großartig in Erscheinung getreten ist. Alternativ zum Großfeld kann auch auf dem Kleinfeld gespielt werden, wo sich dann nur jeweils drei Feldspieler gegenüberstehen. Zu den weiteren Spielformen zählt die Variante „Mixed“, die beispielsweise im Schulsport oder im Hobbybereich gewählt wird. Hier steht dann der Spaß im Vordergrund und es wird ohne einen nominellen Torwart gespielt.

In Taunusstein hat Floorball Tradition

Doch nun zurück zu unserem Turnier in Erlensee bei Hanau. Zu diesem auf zwei Kleinfeldern ausgetragenen Spaßturnier hat der TSG Grizzlys Erlensee eingeladen. Neben den Taunussteinern sind auch Mannschaften aus Kassel, Espenau und Mosbach im Odenwald angereist. Das Team von Floorball Mannheim tritt sogar mit einem Logo der Deutsch-Finnischen Gesellschaft an. Auch hier ist also wieder ein Finnlandbezug erkennbar. Hättest Du gewusst, dass der Sitz des internationalen Floorballverbands (IFF) sich ebenfalls in Helsinki befindet?

In der Halle treffe ich Marion Bund, schon seit 1982 Übungs- und Abteilungsleiterin beim SV Taunusstein-Neuhof. Sie berichtet mir davon, wie das mit dem Floorball in dem hessischen Ort losging. „Ich hatte von Anfang an Kindergruppen mit unterschiedlichen Sportarten, von Leichtathletik bis Volleyball. Zum Abschluss wurde in der Halle immer mit solchen Hartplastikschlägern Hockey gespielt. Wir nannten es Mini-Hockey, wussten aber gar nicht, dass das eine eigene Sportart ist.“ Irgendwann gab es die Chance, Schlägersets gestellt zu bekommen, wenn man Mitglied wurde im Verband, der damals noch Unihockey-Verband hieß. „Dann haben wir das ein bisschen intensiviert. 2012 hatten wir unser erstes Spiel gegen Floorball Mainz.“ Mittlerweile sind es fünf Jugendmannschaften in Taunusstein, seit 2017 gibt es auch ein Angebot für Erwachsene.

Floorball Abteilung des SV Taunusstein-Neuhof

Spieler und Betreuer des SV Taunusstein-Neuhof, Abteilung Floorball

Zusammenarbeit mit der Deutsch-Finnischen Gesellschaft

Bei einem Sport, der in Finnland so groß ist, liegt es nahe, dass es früher oder später zu entsprechenden Berührungspunkten kommt. So geschah es dann auch bei der Floorball-Abteilung des SV Taunusstein-Neuhof. Im Vorfeld eines Jubiläumsturniers entstand der Kontakt zu Harry Skoutajan, dem Landesvorsitzenden der Deutsch-Finnischen-Gesellschaft Hessen, der auch seinerzeit schon bei unseren finnischen Dinner-Events in Frankfurt mit am Start war.

Es entstand die Idee, Floorball und Mölkky zusammenzubringen. So geschah es dann auch im Rahmen der Veranstaltung und alle hatten eine Menge Spaß. Seitdem herrscht ein reger Austausch und die Kooperation erweist sich für beide Seiten als positiv. „Als die DFG Jugendliche für einen Schüleraustausch suchte, haben wir das auch bei uns veröffentlicht zum Beispiel. Und sie umgekehrt unsere Heimspiele. Wir bleiben auch weiterhin in Kontakt“, erzählt Marion. Sie selbst war bisher erst einmal in Finnland. Damals besuchte sie Espoo, Helsinki, Nordkarelien und Rovaniemi und fuhr von dort aus mit dem Nachtzug wieder zurück in den Süden. „Das beste Abenteuer war eine Bärensafari an der Grenze zu Russland“, schwärmt sie.

Turniere und Auswärtsspiele als organisatorische Herausforderung

Noch steckt Floorball in Deutschland in den Kinderschuhen. Das Interesse wird zwar nach und nach größer, aber noch immer gibt es recht wenige Mannschaften. So müssen die Aktiven und Betreuer jedes Wochenende ziemlich lange Strecken fahren, um zu Auswärtsspielen oder Turnieren zu gelangen. Die Taunussteiner treten bisher nur mit der Jugend im Ligabetrieb an. „Wir wachsen quasi von unten nach oben, während andere Mannschaften mit Erwachsenen anfangen. Beim Floorball gibt es auch viel Hochschulsport“, weiß Marion zu berichten.

Organisatorisch gibt es eine Menge zu tun, was natürlich alles ehrenamtlich abläuft. Dennoch wird viel auf das Regelwerk geachtet. Wer im Ligabetrieb als Schiedsrichter in Erscheinung treten möchte, muss eine entsprechende Lizenz haben. Der junge Till Metzler ist seit etwa zweieinhalb Jahren dabei. Er spielt nicht nur selbst, sondern pfeift auch Spiele. „Wir haben das im Schulsport gespielt und irgendwie fand ich es cool“, berichtet er mir. Was macht mehr Spaß, spielen oder pfeifen? Und wie ist generell die Position des Schiedsrichters beim Floorball? „Beides macht Spaß! Klar gibt es schon manchmal Stress, wenn man eine Entscheidung trifft, die den anderen nicht gefällt. Aber allgemein ist es doch ganz friedlich.“

Floorball-Spieler des SV Taunusstein-Neuhof

Floorball ist ein schnelles Spiel, bei dem Geschicklichkeit und Timing eine wichtige Rolle spielen – der Spaß kommt jedoch nie zu kurz

Eine ganze Familie im Floorball-Fieber

Carmen Wiegel, die ich vor der Halle treffe, hat drei Söhne, die allesamt Floorball in Taunusstein spielen. Sie selbst ist im Verein ebenfalls sehr eingespannt, muss die Jungs natürlich zu den Auswärtsspielen fahren. Bei den Heimspielen macht sie das sogenannte Spielsekretariat, also das Eintragen der Tore, Vorlagen oder Zeitstrafen in die Spieldokumentation. „Das wird immer sehr genau genommen“, lacht sie.

Carmens Jungs sind 13, 15 und 17 Jahre alt. Wenn Auswärtsspiele anstehen, dann muss der mütterliche Fahrdienst Wege bis nach Frankfurt, Erlensee, Butzbach oder sogar Espenau bei Kassel zurücklegen. Was fasziniert die engagierte Mutter an diesem Sport so? „Selbst spiele ich ja in der Freizeitgruppe einmal pro Woche. Es ist ein sehr, sehr schnelles Spiel, ich bin da meist ganz fix außer Puste. Und es erfordert Geschicklichkeit, mit dem Schläger in genau dem richtigen Moment zuzupassen. Es macht einfach sehr viel Spaß!“

Zum Abschluss wechsele ich noch ein paar Worte mit Marion. Wie sieht sie, die schon so lange mit dabei ist, die Entwicklung von Floorball in Deutschland? „Wir hoffen natürlich, dass die Mitgliederzahlen in den Vereinen weiter steigen und Floorball auch in den Schulen weiter Verbreitung findet. Was uns als Verein angeht, wäre es natürlich super, wenn mal ein Finne als Spieler zu uns stoßen würde“. Und wer weiß, vielleicht ist Floorball in Deutschland ja eines Tages so groß, dass es die Nationalmannschaft ernsthaft mit den Finnen aufnehmen kann?

Mehr über Floorball in Deutschland, die Regeln und das Ligensystem kannst Du auf der Website des Verbands nachlesen. Auch auf der Website der Abteilung Spaß-Spiel-Sport/Floorball des SV Taunusstein-Neuhof e.V. findest Du jede Menge Wissenswertes über den Sport. Und wenn Du in der Nähe wohnst, magst Du ja vielleicht sogar mal zu einem Probetraining reinschnuppern?

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2 Comments

  1. 1

    Hallo René!
    Danke für den Beitrag über diese tolle Sportart. Als mein Sohn Finn vor einem Jahr mit Floorball anfing, wusste ich tatsächlich nicht, dass die Sportart in Finnland so populär ist (und das als Finnlandfan!) Er spielt jetzt im Turnierbetrieb beim SC Potsdam. Einer seiner Trainer ist sogar Finne. Wenn ich mit meinem Suomi-Cap am Spielrand stehe, bin ich mächtig stolz, wenn ich seine Tore bejubeln kann!
    Terveisiä, Alex

    • 2

      Hi Alex,

      vielen Dank für Dein Feedback! Das ist ja mal mega cool, dass Dein Sohn auch Floorball spielt! Ja, die Finnen sind da tatsächlich zu einer richtigen Macht geworden und haben in den letzten Jahren sogar die Schweden überflügelt… 🙂

      LG,
      René

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