Eine Liebeserklärung ans Mökki

In Finnland besitzt beinahe jede Familie eines und in den Sommermonaten geht es oft für einige Wochen oder gar Monate dorthin. Die Rede ist vom „Mökki“, dem Sommerhaus draußen in der Natur. Meist direkt an einem See gelegen, praktisch immer im Wald und gut geschützt vor den Blicken des nächsten Nachbarn. Hier lässt es sich hervorragend abschalten und neue Kräfte tanken. Auch ich habe das Mökki in mein Herz geschlossen und möchte Dir heute von dieser Liebe berichten.

Der Mökki-Urlaub als Höhepunkt des Sommers

Das erste Mal am Mökki war ich im zarten Alter von nur wenigen Monaten. An diesen Aufenthalt kann ich mich zwar logischerweise nicht mehr erinnern, wohl aber an all die folgenden. Denn solange ich denken kann, fuhren meine Eltern mit mir in den Sommerferien immer ans Mökki. Und zwar nicht irgendein Mökki, sondern ein ganz bestimmtes. In der Nähe von Mikkeli am Puula-See gelegen, wurde es im Laufe der Jahre zu einem unglaublich vertrauten Ort. Fast schon wie eine Art zweite Heimat.

Auf alle Fälle war der Mökki-Urlaub für mich das absolute Highlight eines jeden Sommers und ich fieberte diesem schon Monate vorher entgegen. Wie ich schon in meinem Beitrag zum Thema Zweisprachigkeit schrieb, empfand ich das Mökki einfach immer wieder als eine herrliche Oase der Ruhe.

Ist das nicht ein Mökki zum Verlieben?

Ist das nicht ein Mökki zum Verlieben?

„Hafenstädte“ bauen am Wasser

Nun fragst Du Dich vielleicht, was man in so einer Hütte im Wald denn eigentlich den lieben langen Tag treibt. Wird es da nicht auf Dauer doch ein wenig langweilig? Es kommt natürlich immer auf den Typ Mensch an. Bei mir zumindest kam dieses Gefühl in all den Jahren nie auf. Ganz im Gegenteil. Viel zu schnell waren die zwei Wochen dann auch schon wieder vorbei. Doch die Zeit wurde vielfältig genutzt.

Dabei betätigte ich mich als Kind insbesondere als „Baumeister“ am Ufer des Sees. Mit viel Fleiß und Akribie wurden künstliche Inseln aufgeschüttet, Straßen mit Schlamm aus dem Wasser „geteert“ und kleine Häuser aus dem, was der Wald so hergibt, gebaut. So konnte ich mich stundenlang beschäftigen. Die „Ruinen“ aus dieser Zeit sind bis heute zumindest andeutungsweise zu erkennen. Nach und nach holt sich die Natur eben ihr Terrain zurück.

Die Sauna als tägliches Ritual

Ein unverzichtbarer Bestandteil des Mökki-Lebens ist natürlich die Sauna. Auch bei uns gehörte sie als tägliches Ritual mit dazu. Es sei denn natürlich, die Temperaturen stiegen einmal deutlich über die 30-Grad-Marke. Dann konnte man es auch ohne vorheriges Schwitzen wagen, in die kühlen Fluten zu springen. Sonst wurde schon zeitig der Saunaofen mit echtem Holz aus dem Wald befeuert und dann ging es mit ordentlich „Löyly“ zur Sache. So nennen die Finnen übrigens die Aufgüsse, welche in der Regel ganz klassisch nur mit Wasser aus dem See erfolgen. Dafür aber lieber ein bisschen mehr als zu wenig! Bei in der Regel doch eher niedrigen Wassertemperaturen kann das auch nicht schaden.

Das Gefühl nach so ein paar Saunagängen ist ganz einfach unbeschreiblich – das musst Du selber mal erlebt haben. Und glaub mir, in einer original finnischen Sauna mit anschließendem Sprung ins kalte, aber unfassbar klare Wasser erlebst Du das Ganze nochmal auf eine ganz andere Art und Weise als in einer überfüllten öffentlichen Sauna in Deutschland. Da schmeckt das Abendessen mit dem einmaligen finnischen „Ruisleipä“ (Roggenbrot), dem leckeren finnischen Edamer-Käse und frisch geerntetem Salat aus dem Mökki-Garten einfach vorzüglich. Und einen erholsameren Schlaf als im finnischen Wald habe ich ohnehin noch nirgendwo erlebt.

Die Tikkataulu darf an keinem Mökki fehlen.

Die Tikkataulu darf an keinem Mökki fehlen.

Fischen, schwimmen, rudern und mehr

Als notorischer Langschläfer blieb ich in der Regel gerne etwas länger im extra Schlafhäuschen liegen. Doch Ausnahmen bestätigten die Regel. Ab und an nahm uns der Mökki-Besitzer in aller Frühe mit zum Fischen. Nachdem wir abends die Netze ausgelegt hatten, wurde nun der Fang eingeholt. Ich erinnere mich nur allzu gerne an die leckeren „Muikku“-Fische, auf Deutsch „Kleine Maräne“. Frisch gefangen und gegrillt einfach eine kulinarische Köstlichkeit ersten Ranges!

Zu den weiteren Aktivitäten am Mökki zählte natürlich das Schwimmen. Meist mit Sauna, manchmal auch ohne und dann richtig ausgiebig. Selbst auf der Luftmatratze wurde ab und an über den See gepaddelt. Und natürlich gab es, wie es sich für ein echtes finnisches Mökki gehört, auch ein Ruderboot. Damit wurden manch spannende Ausflüge gemacht, ja sogar meine in den Wald bestellte finnische Sportzeitung holten wir regelmäßig rudernd vom einige Kilometer entfernten Briefkasten ab.

Später kam ein nagelneues Kanu hinzu, mit dem das Erkunden der faszinierenden Inselwelt noch ein wenig flotter vonstatten ging. Ebenfalls an keinem Mökki fehlen darf die „Tikkataulu“, die mit Pfeilen beworfen wird – eine Art Outdoor-Darts. Hier traf ich zwar meistens daneben, Spaß gemacht hat es trotzdem.

Los geht's mit dem Kanu auf den Puula-See!

Los geht’s mit dem Kanu auf den Puula-See! Man beachte das glasklare Wasser.

I miss my Mökki

So vergingen nun die Jahre und unweigerlich war ich irgendwann erwachsen. Der übliche Abnabelungsprozess von den Eltern begann und man ging seine eigenen Wege. So wurden auch die Besuche an „meinem“ Mökki seltener. Zum letzten Mal war ich 2011 für einige Tage dort. Und was soll ich sagen? Auch wenn es gar nicht unser Eigentum ist, vermisse ich dieses Mökki am Puula-See ab und an doch ganz schön.

Dann überkommt mich die Sehnsucht nach See, Sauna und ein bisschen vielleicht sogar nach den „lieben“ Stechmücken – gehören sie doch irgendwo auch zum authentischen Mökki-Erlebnis. Ich hoffe, ich werde es in Kürze noch mal schaffen, mit Caro und Hannu-Pekka dorthin zurückzukehren. Ins Mökki, das mit so vielen wunderschönen Erinnerungen verbunden ist.

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2 Comments

  1. 1

    Ach ja, mökki <3
    Ich bin natürlich auch im Mökki groß geworden, und wenn ich das richtig zusammen bekomme, dann bin ich bisher nur 2 Sommer nicht dort gewesen. Mein Mann schätzt auch das Waldleben, und in manchen Jahren haben wir es auch schon drei mal hinbekommen 🙂
    Es kann einem im Möki gar nicht langweilig werden, denn selbst die Langeweile ist ein Programmpunkt 🙂

    • 2

      Hallo Eeva,

      das ist natürlich super, dass Dein Mann das Ganze genauso liebt 🙂 Drei mal im Jahr, wow! Das habe ich leider noch nicht geschafft… aber es wird wirklich mal wieder Zeit! Und Du hast ja soooo Recht, was den Punkt mit der Langeweile angeht!

      GLG,
      René

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