Auf den Spuren eines Musikvideos – ein unvergesslicher Roadtrip nach Kilpisjärvi

Ziel des Roadtrip nach Kilpisjärvi - der Blick vom Saana

Heute möchte ich Dir eine Geschichte erzählen, die mit der Liebe zu Finnland zu tun hat. Eine Geschichte, wie dieses Land einem Menschen, der gerade eine schwierige Zeit durchmachte, neue Kraft und Hoffnung geschenkt hat. Es ist die Geschichte von Markus, der im für uns alle so außergewöhnlichen Jahr 2020 einen Roadtrip nach Kilpisjärvi wagte. Es sollte der schönste und intensivste Trip seines Lebens werden, wie mir der 45-jährige Augsburger berichtet.

Roadtrip nach Kilpisjärvi statt WRC-Rallye

Doch fangen wir von vorne an. Als großer Rallyefan hatte Markus für den August 2020 eine Tour zur WRC-Rallye in Finnland gebucht, die nach der Absage der Veranstaltung so nicht stattfinden konnte. Eine Hiobsbotschaft für Markus, der sich sehr auf diese Reise gefreut hatte. Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, machte sich der gelernte Koch Gedanken darüber, auf welche Weise eine Finnlandreise unter den gegebenen Umständen vielleicht doch vertretbar sein könnte, sofern das Reisen im August denn überhaupt erlaubt sein sollte. Der Plan für einen Roadtrip nach Kilpisjärvi nahm Gestalt an…

Markus in Kilpisjärvi am See Tshakajärvi

Motorsportfan Markus am Ziel seiner Reise – im Hintergrund Tshakajärvi und Saana

Der Motorsport brachte Markus erstmals nach Finnland

Inspiriert von einem Musikvideo zum Titel ”Jouni” der finnischen Gruppe Slack Bird, das ihn sehr beeindruckt hatte, beschloss Markus, die im Video gezeigten Locations zu besuchen. Die Vorfreude war groß. Und was konnte es nach kräftezehrenden Corona-Monaten schon Schöneres geben, als in die Natur und Weite Finnlands aufzubrechen, mit dem Auto durch die Landschaft zu fahren und den Kopf frei zu bekommen? Markus buchte sich einen Leihwagen, mit dem es von Helsinki aus bis hoch nach Lappland ging – als Ziel ein 100-Seelen-Dorf ”in the middle of nowhere”.

Nach zwei Besuchen in der Region Jyväskylä, wohin Markus seine Leidenschaft für den Rallye-Sport geführt hatte, war die Lust immer größer geworden, noch mehr von diesem wunderschönen Land zu entdecken. Einfach mal länger in Finnland unterwegs sein und Neues erkunden, denn Markus war von Anfang an fasziniert von der finnischen Landschaft und auch den Menschen.

Warum ausgerechnet nach Kilpisjärvi?

Wie wir bereits erfahren haben, gab ein Musikvideo den Anstoß für Markus’ Reise. Aber warum ausgerechnet ein Roadtrip nach Kilpisjärvi? Durch einen Kontakt zur Band Slack Bird hatte er erfahren, dass das Video am Rovijokfossen-Wasserfall in Norwegen, unweit der finnischen Grenze, und in der Region Kilpisjärvi gedreht wurde. Diese Originalschauplätze wollte Markus unbedingt einmal besichtigen.

Blick auf den Saana

Der Saana ist schon von weitem sichtbar und zählt zu den höchsten Erhebungen in Finnland

1250 Kilometer nordwärts mit dem Auto

Die Entscheidung, ob die Reise überhaupt stattfinden kann, fiel recht kurzfristig, da erst zwei Wochen vorher die Einreise von Deutschen nach Finnland wieder möglich war. Die Freude war dementsprechend riesig. Dabei sollte nicht zuletzt auch die Reise selbst das Ziel sein. Denn natürlich wäre es schneller gewesen, einen Inlandsflug in den hohen Norden zu buchen. Aber war es nicht viel cooler, die 1250 Kilometer von Helsinki bis zum besagten Wasserfall mit dem Auto zu fahren? Zusätzlich zu den Eindrücken von Land und Leuten war es für Markus ein Ansporn, eine der berühmtesten Wertungsprüfungen der WRC Rallye Finnland in diesem Zusammenhang selber abzufahren: Die 33 Kilometer lange „Ouninpohja“-Prüfung in der Region Jämsä. ”Das war für mich neben dem Besuch in Kilpisjärvi das absolute Highlight und ein Wunschtraum eines jeden Rallyefans. Somit gab es trotz Corona auch etwas Rallye für mich dieses Jahr!” berichtet Markus mir begeistert.

Rentier in Finnisch-Lappland

Unterwegs begegnete Markus auch zahlreichen Rentieren

Von Helsinki über Viitasaari bis nach Kilpisjärvi

Nachdem er in Helsinki angekommen war, setzte sich Markus in den Leihwagen und fuhr nordwärts, bis Viitasaari. In dem mittelfinnischen Ort übernachtete er. Der restliche Roadtrip nach Kilpisjärvi nahm den gesamten nächsten Tag in Anspruch. ”Eine der schönsten Erfahrungen war für mich das entspannte Autofahren in Finnland. Keine Raserei und kein ’Krieg’, wie er leider teilweise auf Deutschlands Straßen herrscht. Es war sehr angenehm, einfach stressfrei mit dem Navi gen Norden zu fahren und viel von der Landschaft zu sehen.“

Bei Myllykangas macht er einen Abstecher zum Ostseestrand, bei Pello überquert er den Polarkreis und oberhalb von Kihlanki genießt er ein wunderschönes Panorama auf den Tornionjoki, den Grenzfluss zu Schweden. Er schaut dort bei wunderschönem Wetter Finnen und Schweden beim Fliegenfischen zu. ”Gerne denke ich auch an einen kleinen Rastplatz beim See Pousujärvi zurück. Ich kaufte mir dort an einer samischen Holzhütte Moltebeeren.” Landschaftlich am meisten beeindruckt war Markus von der E8 ab Tornio. Die ersten und später häufigeren Rentiersichtungen auf der Straße waren natürlich auch ein Highlight.

E8 in Nordfinnland

Auf der E8 ließ es sich völlig entspannt Richtung Norden gleiten

Fluss Tornionjoki in Finnisch-Lappland

Am Ufer des Flusses Tornionjoki

Verzaubert von der Region Kilpisjärvi

Nach etwa anderthalb Tagen Anreise wollte sich Markus vor Ort natürlich nicht nur den anvisierten Wasserfall ansehen. Er übernachtete im Kilpisjärven Retkeilykeskus, einer zwischen dem Saanatunturi und dem wunderschönen See Kilpisjärvi gelegenen Unterkunft, und verbrachte dort drei wunderschöne Tage. ”Ich kann nur jedem empfehlen, einmal den Saana zu besteigen. Man kann es in vier bis fünf Stunden schaffen. Ich habe etwa sieben Stunden gebraucht, da ich schönes Wetter hatte und einfach die Zeit genießen wollte” Der hunderte Kilometer weite Ausblick in jede Richtung beeindruckte Markus sehr. ”Man fühlt sich dort einfach nur frei! Warme Kleidung und gute Schuhe sind auf jeden Fall zu empfehlen.”

Rentiere auf dem Saana

Rentiere auf dem Saana-Fjell – welch eine karge und dennoch unglaublich beeindruckende Landschaft!

Besonders ins Herz schloss Markus den Tshakajärvi, ein malerischer See etwa vier Kilometer von Kilpisjärvi entfernt. ”Mit dem Panorama des Saana im Hintergrund ein wunderschöner Ort, der einen richtig verzaubert“, schwärmt der Augsburger. „ Ein Muss ist natürlich auch mein Hauptziel, der der Rovijokfossen-Wasserfall. Von Kilpisjärvi aus fährt man die E8 weiter und kommt nach etwa fünf Kilometern an die norwegische Grenze. Von dort geht es etwa 20 Kilometer weiter, bis auf der linken Straßenseite ein etwas unscheinbarer Parkplatz kommt. Hier beginnt der etwas abenteuerliche, nicht gesicherte Abstieg zum Wasserfall. Schon von oben hat man einen genialen Ausblick über das Tal und unten angekommen wird man vom Tosen der Wassermassen belohnt.“ Markus machte fleißig Fotos und genoss einfach den Moment. „Für mich war dieser Augenblick auf jeden Fall alleine schon die ganze Reise wert!“

Grenzstein zu Norwegen

Der finnische Grenzstein zu Norwegen

Wasserfall Rovijokfossen

Der Rovijokfossen-Wasserfall liegt in Norwegen, nicht weit von der finnischen Grenze

Aber Markus hat noch einen weiteren Tipp für Dich parat. Denn sein Roadtrip nach Kilpisjärvi führte ihn auch an den Drei-Länder-Punkt, dem Kolmen valtakunnan rajapyykki. Nach einer halbstündigen Bootsfahrt vom Ort Kilpisjärvi aus über den See kam der Abenteurer auf der schwedischen Seite an. „Von dort wandert man etwa anderthalb Kilometer bis zum Grenzpunkt, der in einem See liegt und über Holzbohlen erreichbar ist. „Ein sehr schöner Ort und für mich ein Highlight zum Abschluss. Die schönere und vielleicht empfehlenswertere Route zu diesem Punkt ist übrigens eine etwa elf Kilometer lange Wanderung von Kilpisjärvi aus, die durch ein geschütztes Naturreservat führt. Man kommt dort auch direkt an Malla’s Tränen vorbei, einem Wasserfall, den man während der Bootsfahrt nur aus der Ferne bewundern kann.“

Ausblick vom Seeufer auf den Saana

Blick vom Seeufer auf den Saana im Hintergrund

Drei-Länder-Eck in Kilpisjärvi

Das Drei-Länder-Eck Finnland, Norwegen, Schweden

Zurück nach Hause mit einem Rucksack voller Erinnerungen

Schwer beeindruckt trat Markus schließlich den Rückweg an. „Die ganze Region Kilpisjärvi hat einen geradezu magischen Eindruck auf mich gemacht. Die unendliche Weite und auch die karge Natur strahlen eine besondere Schönheit aus. Man spürt dort so richtig, wie klein und unwichtig man als Mensch doch eigentlich ist. Auf jeden Fall ist es eine wunderschöne Gegend zum Wandern und ich möchte unbedingt nochmal an dieses schöne Fleckchen Finnland zurückkommen“, verkündet Markus.

Auf dem Rückweg fährt er über Jyväskylä, bleibt dort für eine Nacht und kommt tags darauf schließlich wieder in Helsinki an. Was bleibt von seinem Roadtrip nach Kilpisjärvi? Ein ganzer Rucksack – oder sollte man sagen Kofferraum – voller Erinnerungen. „Für mich ist Finnland die Liebe zur Natur. Ein Leben mit der Natur. Es ist eines der schönsten Länder der Welt für mich und ich möchte noch viel mehr davon sehen.“ Ich hoffe, dass es bald wieder klappt für Markus und würde mich freuen, wenn seine Geschichte vielleicht auch Dir Lust gemacht hat auf einen Roadtrip nach Kilpisjärvi.

Blick über den Tshakajärvi-See auf den Saana

Diesen Anblick wird Markus wohl nie wieder vergessen – verständlich, oder?

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2 Comments

  1. 1

    Ohja was ein toller Bericht, wir waren vor einigen Jahren (leider) auch in Kilpisjärvi und haben einige Tage dort verbringen dürfen, zur Ruska Aika, es war wirklich magisch und unvergesslich schön. Danke für den Blogbeitrag.

    • 2

      Lieber René,

      freut mich, dass Dir die Geschichte gefallen hat, ich war auch sehr berührt und habe Lust bekommen, dorthin zu fahren. Hoffe, das ist bald wieder für uns alle möglich!

      LG,
      René

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