Verrückt, aber wahr: deutscher Döner in Helsinki

Jonas Burow bietet Döner in Helsinki an

Wenn es um Finnland geht, habe ich ständig meine Augen und Ohren offen, ob nun offline oder in den diversen finnlandbezogenen Facebook-Gruppen. Dort erregte eines Tages ein Posting meine Aufmerksamkeit, das deutschen Döner in Helsinki bewarb. Unter dem Namen „Hermann’s Döner“ bot ein gewisser Jonas Burow in einem finnischen Supermarkt Döner an. Das fand ich direkt dermaßen abgefahren und auch ein wenig skurril, dass ich der Sache auf den Grund gehen musste. Was steckt dahinter und wie kommt man auf eine solch außergewöhnliche Geschäftsidee? Ich schrieb Jonas an und direkt kamen wir in einen sehr angenehmen Austausch.

Leckerer Döner in Helsinki am Hernesaaren Ranta

Als ich diesen Sommer für einige Tage in die finnische Hauptstadt kam, war klar, dass ich Jonas treffen und seinen Döner in Helsinki probieren musste. Auf dem direkt am Meer gelegenen Eventareal Hernesaaren Ranta betreibt Jonas einen festen Dönerstand, welcher immer zu Veranstaltungen geöffnet ist. Welch ein Glück hatte ich, dass just während meines Aufenthalts die finnische Popsängerin Ellinoora dort auftrat. Die Vorzeichen standen also ausgezeichnet für einen schönen und kurzweiligen Abend, der es denn auch wurde…

Dönerstand am Hernesaaren Ranta Helsinki

Döner macht schöner – am Hernesaaren Ranta in Helsinki (Foto: Jonas Burow)

“Ich esse selber jedes Mal, wenn ich am Stand bin, eine Portion“

Als ich am Hernesaaren Ranta ankomme, stimmt Ellinoora bereits ihre letzten Songs an. Eher habe ich es leider nicht geschafft. Denn vorher war noch mein Urteil bei der Wahl des besten finnischen Bieres gefragt, von der ich Dir in meinem Reisetagebuch berichtet habe. Am Veranstaltungsort werde ich direkt von Jonas und seiner finnischen Freundin begrüßt und herzlich willkommen geheißen. Nach den diversen Biertasting-Sessions freue ich mich doppelt über meinen ersten Döner in Helsinki. Ich bin sehr gespannt – und meine durchaus hohen Erwartungen werden keineswegs enttäuscht. Jonas’ Döner schmeckt richtig lecker. Selbstverständlich hat er sich selbst ebenfalls einen bestellt.

„Bei euch gibt es den besten Döner in Finnland, haben mir schon viele Kunden gesagt“, berichtet der Firmengründer nicht ganz ohne Stolz. „Aber ich esse auch selber jedes Mal, wenn ich am Stand bin, eine Portion. Es schmeckt mir immer noch“ schmunzelt er. Während wir die Dönerportion genießen, die hier – für mich eher ungewohnt, aber durchaus praktisch –alternativ zur Variante im Brot in einer Art Papphülle serviert werden, zeigt mir Jonas ein wenig das Gelände. Bei schönem Sommerwetter ist es hier wirklich traumhaft!

Blick vom Hernesaaren Ranta Helsinki

Vom Hernesaaren Ranta aus hast Du einen genialen Blick über das Meer auf die Stadt

Halber Finne, aufgewachsen in Ostwestfalen

Doch welchen Background hat nun eigentlich der Mann, der Döner in Helsinki anbietet? Geboren und aufgewachsen ist Jonas Burow im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück, wo er auch eine Ausbildung als Industriekaufmann absolvierte. Seine Mutter ist Finnin und stammt aus dem schönen Punkaharju, während der Vater halber Deutscher und halber Niederländer ist. Vor vier Jahren zog Jonas mit seiner damaligen Freundin nach Helsinki, nachdem sie dort ein Jobangebot bekommen hatte. „Warum also nicht einfach mal mit dorthin ziehen?“ dachte sich Jonas, der so wie ich zweisprachig aufgewachsen ist. Mit der finnischen Mutter wurde stets Finnisch gesprochen.

Warum eigentlich Döner?

Bevor er nach Finnland zog, arbeitete Jonas bei einem der größten europäischen Dönerproduzenten als Personalchef und entwickelte dort unter anderem Konzepte, wie sich die Produktion optimieren lässt und wie selbst auf kleinem Raum wie etwa in Tankstellen oder Kiosken Verkaufsflächen geschaffen werden können. Dazu entwickelte er gesamte Restaurantkonzepte – Erfahrungen, die ihm nach dem Umzug nach Finnland als Gründer zugutekommen sollten.

Verschiedene Dönervarianten bei Herrmann's Döner

Und wie hättest Du Deinen Döner am liebsten? (Foto: Jonas Burow)

Schon solange er denken kann, isst Jonas für sein Leben gerne Döner. „Es ist sogar mein Lieblingsgericht“ erzählt Jonas. „Als ich nach Finnland zog, gab es irgendwie nirgendwo den Döner, den ich aus Deutschland gewohnt war. So kam eines zum anderen und mittlerweile bekommst Du eben auch deutschen Döner in Helsinki“, lacht der Gründer. Vor anderthalb Jahren konnte Jonas einen Investor für sein Projekt gewinnen und der Dönerstand am Hernesaaren Ranta wurde errichtet.

Wo wird der Döner in Helsinki angeboten?

Neben dem festen Stand am Hernesaaren Ranta, der jedoch nur bei dort stattfindenden Veranstaltungen geöffnet ist, gibt es auch noch eine weitere Möglichkeit, um Hermann’s Döner in Helsinki zu genießen. So kannst Du die in Suomi in dieser Form so rar gesäte Köstlichkeit im Pub Peräkammari in der Eerikinkatu 2 bekommen. Jonas und sein Team haben dort alles geliefert von den Zutaten bis hin zu den Speisekarten. „Es läuft dort sehr gut und die Umsätze steigen stetig. Offenbar sind die Kunden also recht zufrieden“, berichtet Jonas.

Speisekarte im Pub Peräkammari

Auf der Speisekarte im Pub Peräkammari steht auch Döner von Jonas (Foto: Jonas Burow)

Darüber hinaus gibt es seinen Döner auch in Tampere im K-Supermarket Ratina als Shop-in-Shop-Konzept. Dort können Interessierte immer am Wochenende vorbeischauen und einen leckeren Döner genießen. Das Shop-in-Shop-System soll zukünftig noch weiter ausgebaut werden. Auch ein Foodtruck mit der Marke „Hermann’s Döner“ ist eine Überlegung, wie mir Jonas erzählt. „Darüber hinaus entwickeln wir gerade ein Konzept für Restaurants, bei dem Salatbar und Dönerverkauf miteinander verknüpft werden können“. An Ideen mangelt es dem jungen Unternehmer nicht.

Das Leben als Gründer in Finnland

Während wir vom Hernesaaren Ranta weiterziehen ins gegenüberliegende „Löyly“, will ich von Jonas wissen, wie es eigentlich ist, Gründer in Finnland zu sein? „Es ist wohl im Endeffekt ähnlich wie in Deutschland“, führt der Halbfinne aus. „Regeln gibt es natürlich, aber wenn Du alles ordentlich machst, dann hast Du nichts zu befürchten. Wir hatten erst kürzlich die Lebensmittelkontrolleure da und alles war bestens. Insofern kann ich bisher eigentlich nichts Negatives über das Gründerdasein in Finnland sagen. Mir fehlt allerdings auch der Vergleich, da ich in Deutschland nie selbstständig war.“

Mit Deutschen hat Jonas im Alltag nicht so viel zu tun, außer mit seinem besten Freund aus Kindheitstagen, der auch vor einiger Zeit nach Helsinki zog. „Ansonsten suche ich jetzt nicht unbedingt aktiv den Kontakt mit Deutschen. Ab und an bekomme ich ja auch Besuch von deutschen Freunden, denen ich dann gerne die Stadt zeige.“

Jonas Burow, Inhaber von Hermann's Döner Oy

Gründer Jonas fühlt sich wohl in Helsinki und Finnland (Foto: Jonas Burow)

Ausblick in die Zukunft

Leider steht in absehbarer Zeit die Schließung des Eventareals Hernesaaren Ranta an, wie mir Jonas schildert. Der Veranstaltungsort am Meer soll neuen Wohnungen weichen. Das wird dann auch das Aus für den Stand von Hermann’s Döner dort bedeuten. Wie es danach weitergeht? „Es will auf jeden Fall gut überlegt sein, denn die Lage ist einfach extrem wichtig hier in Helsinki“, meint Jonas. „Vielleicht konzentriere ich mich dann erstmal auf den Import von Fleisch und Zutaten. Wenn das gut läuft, hast Du auch die finanziellen Mittel, um beispielsweise ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Es geht also gewissermaßen Hand in Hand.“

Was ist sein Traum? „Das wären sicherlich eigene Restaurants hier in Finnland, klar. Aber mal schauen, was die Zukunft bringt! Vielleicht erfinden wir auch mal einen Fischdöner gefüllt mit Kleinen Maränen“ lacht Jonas. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise des ambitionierten Unternehmers gehen wird, und werde diese aufmerksam weiter verfolgen.

Du hast Lust auf deutschen Döner in Helsinki? Dann folge am besten der Facebook-Seite von Hermann’s Döner, um über Verkaufsgelegenheiten stets aktuell auf dem Laufenden zu bleiben. Auch bei Instagram ist der Gründer mit seinem Business vertreten. Weitere Informationen findest Du auf der offiziellen Website. Ich bedanke mich bei Jonas für die Gelegenheit, seinen Döner in Helsinki zu probieren. Eine finanzielle Vergütung erfolgte für diesen redaktionellen Artikel nicht.

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