Das 20. Tuska Festival in Helsinki – ein Erfahrungsbericht

Tuska Festival 2017

Das Tuska Open Air Metal Festival, kurz Tuska Festival oder einfach „Tuska“, ist so etwas wie eine feste Institution in Finnland. Es ist DAS Metal-Festival überhaupt. 2017 jährte sich diese Veranstaltung vom 30.06. bis zum 02.07. zum 20. Mal. Übrigens ist Tuska nicht etwa der Ort, sondern der Name des Events – es ist das finnische Wort für „Schmerz“. Daher war ich etwas vorgewarnt, denn ich bin so etwas wie ein Seiteneinsteiger in die Heavy-Metal-Szene. Ich wollte in erster Linie HIM sehen – die Headliner des Samstags und seit über einem Vierteljahrhundert die wohl bekannteste finnische Metal-Band. Ein paar Bands des weiteren Line-Ups kannte ich allerdings auch.

Einfach den schwarz Gekleideten folgen…

Wollte man am Tuska-Wochenende wissen, wie man zum Festival kommt, brauchte man eigentlich nur den vielen schwarz gekleideten Menschen durch Helsinki zu folgen. Man konnte ziemlich sicher sein, dass sie raus zum Suvilathi-Gelände wollten. Dabei handelt es sich um ein stillgelegtes Industrieareal mit dem Charme eines solchen und damit perfekt geeignet für Events wie das Tuska Festival oder auch das Flow-Festival. Letzteres findet vom 11. bis 13. August statt und zieht sicherlich mit Lana del Rey, the xx, Beth Ditto und vielen mehr ein etwas anderes Publikum an.

Sogar ein rollender Supermarkt auf dem Tuska Festival

Ilka

Autorin Ilka

Zahlreiche Stände auf dem Suvilathi-Gelände sorgten für das leibliche Wohl der Metal-Heads. Natürlich gab es auch reichlich Bier und weitere alkoholische und nichtalkoholische Getränke. Die Preise waren in Ordnung – Festival-Preise eben. Außerdem stand ein rollender Supermarkt von Alepa bereit, der die Festivalbesucher für relativ kleines Geld mit allem, was man so gebrauchen konnte, versorgte. Ich fand das äußerst praktisch und kaufte mir gleich mal etwas Schokolade für das Durchhaltevermögen. Natürlich konnte man sich auch mit den notwendigen Merchandise-Artikeln von den Bands und vom Tuska Festival selber versorgen. Ein T-Shirt von HIM ist dabei auch in meinen Besitz über gegangen.

Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus

Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus wurden vom Publikum frenetisch gefeiert.

Volles Programm auf drei Bühnen

An den drei Festivaltagen wurden täglich drei Bühnen „bespielt“. Die „RadioRock“-Main Stage und die zweite Bühne – eine Art Zirkuszelt – wechselten sich in einem stündlichen Rhythmus ab. Ganz ehrlich, die dritte Bühne habe ich gar nicht gefunden. Die erste Band, die ich auf der Main Stage sehen wollte, war Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, die in Finnland sehr beliebt sind und einen super Auftritt absolvierten. Vom Publikum wurden sie gebührend bejubelt und gefeiert. Ich hatte einen Platz in der ersten Reihe „erwischt“ und begriff ziemlich bald, dass ich den eigentlich nicht aufgeben wollte/sollte. Denn das Publikum wuchs rasch an, und es wurde sogar ein bisschen gedrängelt. Erfahrene Tuska Festival-Besucher meinten, das müsse ganz sicher am späteren Auftritt von HIM liegen. Sonst wäre es eigentlich immer entspannt beim Tuska.

Danach waren die Schweden von Soilwork dran – das war nicht ganz nach meinem Geschmack, aber trotzdem blieb ich auf meinem Platz. Um 20.05 Uhr kam mein nächstes Highlight: die Finnen von Amorphis! Sie spielten sich routiniert und kraftvoll durch ihr Repertoire und gefielen mir sehr gut. Getrübt wurde meine Laune allerdings von zwischenzeitlichen kleineren und größeren Regenschauern. Auch um das Tuska Festival machten diese leider keinen Bogen. Also hieß es, das mitgebrachte Regen-Cape anzuziehen.

Amorphis @ Tuska Festival

Finnische Metal-Legenden: Amorphis

Riesiger Andrang bei HIM

Interessant war übrigens, dass mit fortschreitendem „Stundenplan“ des Line-Ups und damit mit fortscheitender Beliebtheit der Bands die Anzahl der akkreditierten Fotografen vor der Bühne des Tuska Festivals stetig zunahm. Sie durften während der ersten drei Songs der jeweiligen Band fotografieren. Beim Gig von HIM waren dann wirklich die meisten Fotografen dabei. Hier sah ich auch Ville Juurikkala wieder. Das ist der Fotograf, der die Ausstellungen „HIM – Right here in my eyes“ im Helsinkier Kunstmuseum (HAM) und in der Tiketti Galeria arrangiert hatte. Natürlich habe ich mir beides angeschaut und hatte auch die Möglichkeit, mit Ville Juurikkala kurz zu sprechen.

Um 22.10 Uhr gab es im Publikum definitiv kein Halten mehr! Unter großem Jubel kamen HIM auf die Bühne! Und sie legten sofort los – ein Song aus der 26-Jährigen Bandgeschichte folgte auf den nächsten. Zwischendurch sah man der Band die Spielfreude an. Besonders Ville Valo schien erfreut von der Begeisterung der Fans beim Tuska Festival. Er lächelte und flirtete mit den – vorwiegend weiblichen – Fans aus den vorderen Reihen. Ich bin mir sicher, mit mir hat er auch geflirtet….er sieht ja auch wirklich gut aus und seine 40 Jahre sieht man ihm kaum an.

HIM @ Tuska Festival 2017

HIM geben alles auf der Bühne!

Wenn ein Ville Valo von der Bühne abtritt…

Viele Songs wurden lautstark mitgesungen und bejubelt. Wie üblich gab es nur wenige Ansagen seitens des Sängers Valo. Während des letzten Songs „When Love and Death Embrace“ verabschiedete er sich vom Publikum und verließ die Bühne. Ich bin sicher, er hatte verdächtig glänzende Augen – dieses Konzert beim Tuska Festival wird ihm sicherlich nahe gegangen sein. Die anderen Bandmitglieder spielten den Song zu Ende. Drummer Jukka war der Letzte, der die Bühne verließ – aber nicht ohne noch ein paar Drumsticks an das Publikum verteilt zu haben. Ich fand, das war eine schöne Aktion. Für den letzten Stick stieg er sogar von der Bühne und übergab diesen direkt.

Ville Valo & HIM @ Tuska Festival

Ville Valo und seine Mannen sorgten für einen Besucherrekord beim Tuska Festival 2017.

Tuska Festival – gerne wieder!

Es war für mich wirklich ein grandioser Festivaltag und den Schlusspunkt markierte ein buntes Feuerwerk über der Bühne. Am nächsten Tag konnte ich in den sozialen Medien lesen, dass dieser Tuska-Tag mit 14.500 Besuchern komplett ausverkauft war und damit einen Zuschauerrekord verzeichnete. „Schuld“ daran waren sicherlich HIM, die ein paar Monate vorher überraschend die Auflösung der Band zum Jahresende angekündigt hatten. Somit war dieses Tuska Festival das erste und gleichzeitig letzte Open-Air-Konzert der Band in Finnland dieses Jahr.

Auch wenn die Besucher des Tuska Festivals vorzugsweise in Schwarz gekleidet waren, wirkte das keinesfalls bedrückend oder beängstigend auf mich. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und wenn es terminlich und vom Line-Up her passt, bin ich das nächste Mal wieder dabei. Wenn Du auch Lust bekommen hast, schau doch mal auf der offiziellen Website des Festivals vorbei für aktuelle Updates.

Text und Bilder: Ilka Wohl

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