Wenn der Himmel tanzt: Auf der Jagd nach dem Nordlicht

Das Nordlicht gehört zu jenen Himmelsphänomenen, die nur schwer zu begreifen sind. Sie haben etwas geradezu Mystisches an sich – dabei lässt sich das Spektakel am nördlichen Nachthimmel durchaus ganz plausibel wissenschaftlich erklären. Nur soviel dazu: Nordlichter, auch als Polarlicht, Aurora Borealis oder „revontulet“ (finnisch) bezeichnet, entstehen durch das Aufeinandertreffen von elektrisch geladenen Teilchen von der Sonne und Gasteilchen der Luft. Die genaue Definition kannst Du Dir beispielsweise bei Wikipedia durchlesen. Bei unserem Trip nach Finnisch-Lappland stand das Nordlicht selbstverständlich ganz weit oben auf der Bucketlist. Wir hatten sie bis jetzt leider noch nie gesehen. Das sollte endlich geändert werden.

Das Rundum-Paket von Beyond Arctic

In Rovaniemi angekommen, machten wir uns direkt auf den Weg zu Visit Rovaniemi, der offiziellen Touristeninformation der Stadt. Hier erkundigten wir uns danach, wie wir unseren Traum am besten Wirklichkeit werden lassen könnten. Direkt hinter dem Arktikum am Fluss, so riet man uns, sei der beste Platz auf dem Stadtgebiet, um sich auf die Lauer zu legen. Die Chancen, am Ende erfolgreich zu sein, ließen sich jedoch auch noch um einiges erhöhen durch einen Ausflug ins Umland. Hier wurden uns die Jungs von Beyond Arctic empfohlen, die spezielle Northern Lights-Touren anbieten. Dieser Tipp sollte sich als absoluter Volltreffer erweisen.

Wo und wann sind Nordlichter zu sehen?

Bevor ich von unserer spannenden, ja fast schon dramatischen Jagd auf die Nordlichter berichten werde, möchte ich noch kurz darauf eingehen, wo und wann diese eigentlich grundsätzlich am besten zu beobachten sind. Fälschlicherweise glauben bis heute viele, dass es besonders kalt sein muss, damit sich das Nordlicht zeigt. Es hat jedoch vielmehr mit ausreichender Dunkelheit zu tun. Daher wird es zur Zeit der Mitternachtssonne logischerweise schwierig, bunte Lichter am Himmel tanzen zu sehen. Die beste Zeit ist zwischen September und März, wobei die etwas helleren Monate sogar der ganz dunklen Zeit zwischen November und Januar leicht zu bevorzugen sind.

Je weiter nördlich Du fährst, desto häufiger werden Nordlichter zu sehen sein. Dies hängt mit den verschiedenen Stufen der Sonnenaktivität zusammen. Umso nördlicher, desto stärker sind diese Aktivitäten und demzufolge steigen Deine Chancen, Zeuge dieses Naturschauspiels zu werden. In Finnisch-Lappland tauchen Nordlichter in durchschnittlich sieben von zehn Nächten auf, teilweise sogar noch häufiger. Neben der Sonnenaktivität ist selbstverständlich auch ein klarer Nachthimmel Grundvoraussetzung dafür, dass du etwas sehen kannst.

Das richtige Schuhwerk ist unverzichtbar, wenn es raus in die Natur geht.

Das richtige Schuhwerk ist unverzichtbar, wenn es raus in die Natur geht.

Wolken, Sturm und Plusgrade in Rovaniemi

Nachdem wir mit Juho Uutela, Gründer von Beyond Arctic und selbst Tourguide, gesprochen hatten, schaffte es dieser tatsächlich, uns spontan gleich am nächsten Tag für eine Northern Lights-Tour einzuplanen. Pünktlich um 19:30 Uhr wurden wir von Juho Uurtamo, dem zweiten Mann hinter dem sympathischen Startup, mit einem komfortablen Van an unserer Unterkunft abgeholt. Im Keller des Hostel Café Koti im Stadtzentrum Rovaniemis, wo Beyond Arctic sein Headquarter bezogen hat, trafen wir auf die weiteren Tourteilnehmer. Es handelte sich dabei um ein nettes Pärchen aus Australien und zwei Kanadier.

Wer es benötigte, konnte sich jetzt noch mit warmer Kleidung oder Schneeschuhen ausstatten, die in verschiedenen Größen zur Verfügung gestellt wurden. Jeder erhielt einen Rucksack mit Taschenlampe und Trinkflasche inklusive wärmendem Inhalt. Zudem nahm Juho einen Korb mit leckeren Snacks für uns mit, die die Autofahrt noch ein wenig angenehmer gestalten sollten. Denn heute könnte es eine lange Fahrt werden, eröffnete uns Juho mit einem durchaus ernsten Gesichtsausdruck. Denn es herrschte starker Wind über Finnisch-Lappland an diesem Abend, der die zahlreichen Wolken vor sich her trieb. Hinzu kamen Plusgrade – zu dieser Jahreszeit eigentlich so gut wie ausgeschlossen in Rovaniemi. Besonders große Sorgen machten Juha aber die vielen Wolken. Schließlich benötigten wir einen klaren Nachthimmel, um überhaupt etwas sehen zu können.

Firmengründer Juho Uutela und FinnTouch-René im Headquarter des Anbieters im Herzen von Rovaniemi.

Firmengründer Juho Uutela und FinnTouch-René im Headquarter des Anbieters in Rovaniemi.

Einfach mal an die schwedische Grenze fahren…

Was also tun? Schon im Vorgespräch hatte uns der andere Juho erzählt, dass sie erst kürzlich extra 70 Kilometer außerhalb gefahren seien, nur um den besten Platz zu finden. Wir brausen also los, durch die nordfinnische Nacht. Draußen wird der Wind immer heftiger. Im Kleinbus ist es warm und gemütlich. Wir unterhalten uns gut mit den anderen Expeditionsteilnehmern. Währenddessen schauen wir immer mal kurz aufs Handy-Navi. Wir bewegen uns Kilometer für Kilometer zielstrebig gen Westen. Von Nordlichtern keine Spur. Juho am Steuer wirkt so langsam doch ein bisschen nervös. Sollte alle Anstrengung ausgerechnet heute Nacht am Ende für die Katz sein? Schließlich erreichen wir den Tornionjoki, den Grenzfluss zwischen Schweden und Finnland.

Da sind sie, richtig echte Nordlichter!

Wir sind etwas mehr als 120 Kilometer in westlicher Richtung gefahren, als Juho den dunklen Van schließlich zum Stehen bringt und uns andeutet, unsere Rucksäcke zu schnappen und auszusteigen. Gemeinsam stapfen wir durch den hohen Schnee. Einen tief verschneiten Weg entlang. Ein Stückchen bergauf. Um uns herum nur Wald und das Rauschen des Windes. Dann erblicken wir sie auf der rechten Seite, hinter den Bäumen! Zunächst ganz schüchtern und nur leicht schimmernd. Aber doch deutlich erkennbar. Richtig echte Nordlichter. Wir sind erstmal geflasht und bleiben für einen Moment stehen. Um den Anblick zu genießen. Und um im nächsten Moment natürlich zu versuchen, das Ganze fotografisch einzufangen. Nur mit einer Handykamera gestaltet sich dies als eher schwieriges Unterfangen.

Einfach mal nur genießen, denkt sich Caro hier wohl...

Einfach mal nur genießen, denkt sich Caro hier wohl…

Fotosession hoch über dem Tornionjoki

Doch kein Thema, sagt Juho. Denn er hat extra für diesen Zweck eine hochwertige Kamera dabei. Nach ein paar weiteren Minuten Fußmarsch durch den Wald erreichen wir schließlich eine Lichtung, eine Art Plateau. Unter uns liegt der Tornionjoki. Wir blicken direkt rüber nach Schweden. Und über uns beginnt der Himmel immer mehr zu tanzen. Es sind grüne Nordlichter, die wir ehrfürchtig bestaunen dürfen. Diese sind am häufigsten. Wenn Du Glück hast, leuchten sie auch mal in Rot oder anderen Farbtönen. Doch egal. Wir sind vollkommen begeistert und überglücklich, dass es trotz der ungewissen Vorzeichen an diesem Abend tatsächlich doch noch geklappt hat. Juhos Einsatz sei Dank!Beyond_Arctic_Nordlichter_Tornionjoki

Nachdem wir alle die Nordlichter für einen Moment einfach nur genossen haben, baut unser Guide seine Kamera mit Stativ auf. Wer möchte, kann jetzt unter dem Polarlicht posieren. Natürlich möchte jeder. Und das nicht nur einmal. Wir verbringen bestimmt fast eine geschlagene Stunde damit, unvergessliche Aufnahmen für die Ewigkeit zu machen. Eine Fotosession der wahrlich besonderen Art. Erst als alle wirklich zufrieden sind und genug haben, packt Juho das Equipment wieder ein.

Immer noch überwältigt von den Eindrücken laufen wir schweigend wieder zurück zu unserem Fahrzeug. Auf der Rückfahrt wird kaum ein Wort gesprochen – so sehr sind wir wohl alle damit beschäftigt, das Gesehene zu verarbeiten. Schließlich überkommt den einen oder anderen auch die Müdigkeit – im gemütlich schaukelnden und angenehm beheizten Van kein Wunder. Gegen halb zwei sind wir wieder in Rovaniemi, verabschieden uns von unseren Mitreisenden und werden von Juho noch „nach Hause“ gefahren. Was für ein Abend, was für ein grandioses Abenteuer!

Nordlichter über dem Tornionjoki - Kann man davon genug bekommen?

Nordlichter über dem Tornionjoki – Kann man davon genug bekommen?

Warum wir sofort wieder Beyond Arctic wählen würden

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir den beiden Juhos wirklich mega dankbar sind, dass sie alles dafür getan haben, um uns diesen Lebenshöhepunkt möglich zu machen. Wir würden jederzeit wieder eine Tour mit Beyond Arctic machen und dafür gibt es mehrere gute Gründe. Zum einen sind die Jungs einfach super nett und hilfsbereit. Sie gehen auf persönliche Wünsche ein und sind sich nicht zu schade, einfach mal 240 Kilometer insgesamt an einem Abend zu fahren, damit das Ganze für die Gäste zu einem Erfolg wird. Dass am Ende wirklich Nordlichter gesichtet werden, können selbstverständlich auch sie Dir nicht versprechen. Aber sie geben wirklich alles dafür, es möglich zu machen.

Juho Uurtamo, René und Hannu-Pekka vor dem Beyond Arctic-Bus.

Juho Uurtamo, René und Hannu-Pekka vor dem Beyond Arctic-Bus.

Auch der Rundum-Service und kleine Details wie die mitgebrachten Snacks haben für eine positive Gesamtatmosphäre gesorgt. Vergleichst Du es mit anderen Anbietern, dann stimmt hier auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben den Nordlichter-Touren kannst Du bei Beyond Arctic übrigens auch Tagesexpeditionen in die Wildnis, private Fototouren oder Eisfischen auf gefrorenen Seen buchen. Im Sommer wollen sie ihr Portfolio um Angebote rund um das Thema „Mitternachtssonne“ erweitern. Achso, das Beste hätten wir ja beinahe vergessen: Bereits einen Tag nach der Tour erhielten wir von Juho eine E-Mail mit einem Link zu sämtlichen von ihm gemachten Fotos – die jeder Teilnehmer kostenlos verwenden darf, wo immer er möchte. So sieht Kundenfreundlichkeit aus!

Wir wurden zu dieser Nordlichter-Tour von Beyond Arctic eingeladen. Vielen Dank auch an Salla Tauriainen von Visit Rovaniemi für das Vermitteln des Kontaktes. Bilder: René Schwarz und Beyond Arctic.

Infos und Onlinebooking auf der Website von Beyond Arctic
Beyond Arctic bei Facebook
Beyond Arctic bei Instagram

You May Also Like

6 Comments

  1. 1

    Wow, tolle Bilder. Ich möchte die Nordlichter auch auf jeden Fall mal live erleben. Wenn man sie nur auf Fotos sieht, kann man sich immer gar nicht vorstellen, dass es so etwas wirklich gibt 😉
    LG Melli

    • 2

      Hi Melli,
      vielen Dank für Dein Feedback! 🙂 Es ist schon so, dass man mit einer guten Kamera da unglaublich viel rausholen kann. Aber wo nichts ist, kann man auch nichts rausholen 😉 Man muss das wirklich mal mit eigenen Augen gesehen haben. Hoffentlich klappt es auch mal bei Dir!
      LG,
      René

  2. 3
  3. 5
    • 6

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>