Die finnische Seemannskirche in Hamburg – ein Ort der Begegnung

Hamburg ist nicht nur eine der schönsten Städte Deutschlands, sondern zählt auch zu den wichtigsten Hafenstädten Europas. Auch finnische Seeleute legen regelmäßig in der Hansestadt an. Seit vielen Jahren gibt es einen konstanten Anlaufpunkt für sie: die finnische Seemannskirche Hamburg. Doch längst ist die „Pohjois-Saksan merimieskirkko“, wie die offizielle Bezeichnung auf Finnisch lautet, mehr als nur ein Treffpunkt für Seeleute und eine Heimat für Menschen des evangelisch-lutherischen Glaubens. Die finnische Seemannskirche ist ein lebendiger Ort der Begegnung für Finnen und Finnland-Fans – mit Café, Finnshop und Sauna.

115 Jahre lebendige Tradition am Hamburger Hafen

Nur einen Steinwurf vom Hamburger Hafen entfernt reihen sich die nordischen Seefahrerkirchen in der Ditmar-Koel-Straße aneinander. So findet sich hier nicht nur die finnische Seemannskirche, sondern in direkter Nachbarschaft stehen auch die norwegische Seemannskirche und die dänische Seemannskirche. Die schwedische Gustav-Adolfs-Kirche ist ebenfalls nur einen Steinwurf entfernt. Die finnische Seemannskirche feiert im Jahr 2016 ihr 115-Jähriges Bestehen. Grund genug für mich, ihr einen Besuch abzustatten und für Dich ein paar Hintergrundinformationen zusammenzutragen.

So begrüßt die finnische Seemannskirche ihre Gäste. Natürlich darf die typisch finnische Schaukel im Außenbereich nicht fehlen.

So begrüßt die finnische Seemannskirche ihre Gäste. Natürlich darf die typisch finnische Schaukel im Außenbereich nicht fehlen.

Hier finden die regelmäßigen Gottesdienste der evangelisch-lutherischen Gemeinde statt.

Hier finden die regelmäßigen Gottesdienste der evangelisch-lutherischen Gemeinde statt.

Gute Zusammenarbeit mit den anderen Seemannskirchen

Es ist ein typischer Frühlingstag in Hamburg, als ich mich von meinem Hotel aus auf den Weg mache und schließlich die finnische Seemannskirche erreiche. Nach einem heftigen Regenguss ist die Sonne wieder zum Vorschein gekommen und lässt die Stadt und den Hafen herrlich aussehen. An der Kirche angekommen, begrüßt mich Leiterin Satu Oldendorff und lädt mich direkt zu einem kleinen Rundgang durch das Gebäude ein. Ich bin gespannt, was mich hier so alles erwarten wird. Natürlich habe ich mich auch ein wenig vorbereitet und einige Fragen präpariert.

Wir besichtigen das eigentliche Gotteshaus, in dem einmal pro Monat ein Gottesdienst mit etwa 15 bis 20 Besuchern stattfindet. Zusätzlich gibt es jeden Donnerstag eine Andacht, wie mir Frau Oldendorff berichtet. Der Pfarrer ist mit Hamburg, Bremen, Kiel und Lübeck für ein nicht gerade kleines Gebiet zuständig und dementsprechend gut ausgelastet. Oldendorff hebt die gute Zusammenarbeit mit den Schweden, Dänen, Norwegern sowie auch der deutschen Seemannskirche hervor.

Steht allen Interessierten gegen Gebühr offen: Die Sauna der finnischen Gemeinde.

Steht allen Interessierten gegen Gebühr offen: Die Sauna der finnischen Gemeinde.

Eine Oase der Ruhe inmitten der Großstadt

Nachdem wir die Sauna im Keller des Gebäudes und diverse Gemeinderäumlichkeiten inspiziert haben, machen wir es uns im Obergeschoss der finnischen Seemannskirche auf einem Sofa gemütlich, um unser kleines Interview fortzuführen. Das gemütliche Ambiente erinnert an ein finnisches Wohnzimmer – ganz einfach eine richtig tolle Wohlfühlatmosphäre. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass sich die Besucher hier wirklich gut aufgehoben fühlen inmitten des Trubels der Großstadt.

Finnische Reisende oder in der Region lebende Finnen nehmen das Angebot denn auch gerne in Anspruch, um ein paar Stunden unter Gleichgesinnten zu verbringen, die finnische Sprache zu sprechen oder ein finnisches Buch in die Hand zu nehmen. Und natürlich wird gerne auch ein leckerer Kaffee serviert oder man greift zu einem finnischen Bier oder Lonkero. Auch Übernachtungen bietet die finnische Seemannskirche zu fairen Konditionen an. So stehen dafür drei Doppelzimmer und ein Gruppenraum zur Verfügung, in dem Gruppen aus Finnland mit bis zu 70 Personen schon auf Luftmatratzen übernachtet haben. Ob Chöre oder Fußballfans, die Bandbreite an Übernachtungsgästen ist breit gefächert.

In diesem gemütlichen "Wohnzimmer" habe ich Frau Oldendorff meine Fragen gestellt.

In diesem gemütlichen „Wohnzimmer“ habe ich Frau Oldendorff meine Fragen gestellt.

Die finnische Seemannskirche und ihre Veranstaltungen

Die finnische Seemannskirche Hamburg bietet ihren Freunden und Besuchern ein reichhaltiges Angebot an regelmäßigen und einmaligen Veranstaltungen an. So findet dienstags ein Kleinkinderclub („pienten lasten kerho“) statt, zudem beherbergt die Kirche die finnische Schule („Suomikoulu“). Auch wenn viele der regelmäßigen Besucher eher etwas älter sind, gibt es auch eine Gruppe junger Erwachsener („nuorten aikuisten ryhmä“), die sich regelmäßig trifft. Generell ist die Besucherschar recht bunt gemischt, wie uns Frau Oldendorff erläutert. Neben Finnen und Touristen sind es auch viele interessierte Deutsche, die in der Kirche und ihren Räumlichkeiten vorbeischauen.

Zu den wichtigsten Veranstaltungen, die die finnische Seemannskirche vor allem für externe Besucher interessant machen, zählen beispielsweise der Osterbasar und vor allem der jährliche Weihnachtsbasar. Dieser findet regelmäßig am zweiten und dritten Wochenende im November statt und ist mit etwa 30.000 Gästen pro Jahr ein echter Besuchermagnet. Am 04. Dezember 2016 feiert die finnische Seemannskirche Hamburg zudem ihren 115. Geburtstag – ein guter Grund für ein großes Fest. Immer wieder finden auch Chor-Events oder Rockkonzerte in der Kirche statt.

In dieser Spielecke fühlen sich auch die kleinen Gemeindebesucher pudelwohl.

In dieser Spielecke fühlen sich auch die kleinen Gemeindebesucher pudelwohl.

Finanzierung größtenteils aus eigener Kraft

Sichtlich stolz ist Frau Oldendorff, als wir auf die Finanzierung der Hamburger Seemannskirche zu sprechen kommen. So betont sie, dass diese zum überwiegenden Teil aus eigener Kraft bewältigt werde. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei anstehenden Reparaturen, gebe es einen Zuschuss von der finnischen Kirche in Abstimmung mit dem finnischen Staat. Etwa 100 Fördermitglieder leisten einen wichtigen Beitrag zum Aufrechterhalten des Gemeindelebens, an dem sich insgesamt um die 400 Menschen regelmäßig beteiligen. Die wesentlichen Säulen der Finanzierung sind jedoch die folgenden:

  • Oster- und Weihnachtsbasar
  • Finnshop
  • Sauna
  • Café
  • Übernachtungsgäste

Auf diese Weise kommt genügend Geld zusammen, um neben den vier hauptamtlichen Mitarbeitern auch die Kosten für das Gebäude und die zahlreichen Angebote und Services zu bestreiten. Selbstverständlich freut sich die finnische Seemannskirche Hamburg über jeden neuen Unterstützer, der beispielsweise Fördermitglied wird, um die wichtige Arbeit auch langfristig finanziell abzusichern.

Nicht nur Lebensmittel, sondern auch allerlei tolle Design-Artikel, Kleidungsstücke und mehr finden sich im Finnshop der finnischen Seemannskirche Hamburg.

Nicht nur Lebensmittel, sondern auch allerlei tolle Design-Artikel, Kleidungsstücke und mehr finden sich im Finnshop der finnischen Seemannskirche Hamburg.

Der Finnshop als Herzstück des Angebots

Ganzjährig besonders großer Beliebtheit erfreut sich der Finnshop im Erdgeschoss des Gebäudes. Hier sind es sogar mehr deutsche Finnland-Freunde als gebürtige Finnen, die sich mit finnischen Lebensmitteln, Getränken und mehr eindecken. Zu den Rennern zählen vor allem die Klassiker wie „Ruisleipä“ (finnisches Roggenbrot) und „Karjalanpiirakka“ (karelische Piroggen). Auch ich kann nicht widerstehen und nehme mir je ein „Karhu“ (finnisches Bier aus Pori) und ein „Lonkero“ (typisch finnischer Longdrink mit Gin) mit.

Wenn Du Lust auf finnische Spezialitäten hast und in der Region Hamburg wohnst oder hier zu Besuch bist, kann ich Dir den Finnshop der finnischen Seefahrerkirche nur ans Herz legen. Hier bekommst Du in einem angenehmen Ambiente wirklich alles, was das Herz begehrt. Die nicht ganz niedrigen Preise mögen zwar den einen oder anderen abschrecken, aber bedenke, dass Du damit auch einen kleinen Beitrag zur Aufrechterhaltung dieses tollen Angebots leistest.

Seit 1966 ist die finnische Seemannskirche in ihren heutigen Räumlichkeiten beheimatet. Zu diesem Jubiläum wurde ein Kalender zusammengestellt.

Seit 1966 ist die finnische Seemannskirche in ihren heutigen Räumlichkeiten beheimatet. Zu diesem Jubiläum wurde ein Kalender zusammengestellt.

Die finnische Seemannskirche im Wandel der Zeit

Während die Hauptzielgruppe der Kirche in früheren Jahren tatsächlich die finnischen Seeleute waren, hat sich dies im Laufe der Jahre doch stark gewandelt. Inzwischen sind es immer weniger echte Seebären, die hier ankommen. So waren es im Jahre 2015 nur 31 Schiffe mit finnischen Seeleuten, die in Hamburg anlegten. Wenn Bedarf ist, bietet die finnische Seemannskirche ihnen Besuche auf dem Schiff an oder auch einen exklusiven Busservice. Zudem gibt es Außeneinsätze in Bremen, Kiel und Lübeck.

In Lübeck kommen sogar ganze sieben Besuche pro Woche zustande – insbesondere aufgrund der von dort direkt nach Finnland verkehrenden Finnlines-Schiffe. Geht es um die Seeleute, so sei heutzutage immer mehr Sozialarbeit gefragt, so Oldendorff. Wie so viele andere Institutionen auch, befindet sich also auch die finnische Seemannskirche Hamburg im Wandel der Zeit. Vielleicht möchtest Du ihr ja auch mal einen Besuch abstatten und selbst erfahren, warum dies so ein besonderer Ort ist?

Tseki, der sprechende Papagei, ist das Maskottchen der Kirche und begrüßt die Besucher gut gelaunt im Eingangsbereich.

Tseki, der sprechende Papagei, ist das Maskottchen der Kirche und begrüßt die Besucher gut gelaunt im Eingangsbereich.

„Wir sind ein finnisches Wohnzimmer“

Zum Abschied fragen wir Frau Oldendorff noch nach den wichtigsten Gründen, weshalb ein Besuch der finnischen Seemannskirche bei einem Hamburg-Aufenthalt Pflicht sein sollte. „Wir sind ein finnisches Wohnzimmer“, bringt sie es direkt auf den Punkt. Zudem nennt sie noch die Gastfreundschaft, den Finnshop und die Sauna. Für Finnen sei es außerdem eine tolle Möglichkeit, um die Sprache zu sprechen und aufkommendes Heimweh zu bekämpfen. Bei mir persönlich hat der Besuch allerdings erst recht mein Finnweh gesteigert, denke ich mir, als ich mich von der sympathischen Leiterin verabschiede und mich auf den Weg Richtung Hafen mache, um in der Abendsonne meine finnischen Drinks zu genießen.

Vielen Dank an Satu Oldendorff und ihre Mitarbeiter für die Gastfreundschaft und den leckeren „Kahvi“. Mehr Informationen über die finnische Seemannskirche Hamburg findest Du auf der offiziellen Website oder bei Facebook.

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